Dez
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Der Zombie-20-Minuten-Leser
Abgelegt unter Absteller Stichworte: 20 minuten, Gesellschaft, Gratiszeitung, Konsum
Immer öfter trifft man sie auf unseren Strassen an, vor allem Werktags am Morgen. Obwohl sie praktisch überall gesichtet werden können, sieht man besonders viele Exemplare bei Bahnhöfen und in der Nähe von Haltestellen des öffentlichen Verkehrs. Die Rede ist vom sogenannten Zombie-20-Minuten-Leser.
Der Zombie-20-Minuten-Leser gehört zur Familie der Zombie-Gratiszeitung-Leser und ist eng verwandt mit dem Zombie-SMS-Schreiber. Zudem existieren weitere Unterformen wie der Zombie-News.ch-Leser und der Zombie-Blick-am-Abend-Leser, letztgenannter ist vor allem am späteren Nachmittag und am frühen Abend zu beobachten.
Erkennen kann man den Zombie-20-Minuten-Leser vor allem am langsamen, schlurfenden Gang und am gesenkten Kopf. Der Blick des Zombie-20-Minuten-Lesers ist dabei starr auf die vor dem Oberkörper gehaltene Ausgabe der Gratiszeitung gerichtet. Zudem scheint ihm jegliche Wahrnehmung seines Umfelds abhanden gekommen zu sein. Andere Personen auf seiner Marschroute, rote Lichtsignale oder Autos nimmt er nicht wahr.
Wissenschaftler sind sich noch nicht einig, ob die Mutation einer normalen Person in einen Zombie-20-Minuten-Leser eine direkte Folge des täglichen Konsums der Inhalte eben dieser Gratiszeitungen ist, oder ob vor allem der Reflex, sich auf alles zu stürzen, was gratis erhältlich ist, schlussendlich zu diesem unnatürlichen Verhalten führt.
Wer das Experiment wagt, selbst einmal eine solche Gratiszeitung durchzublättern (von Lesen kann in diesem Zusammenhang wohl kaum die Rede sein), wird vermutlich zum Schluss kommen, dass die Inhalte zumindest ihren Beitrag zu Mutation liefern müssen: tägliche Informationsüberflutung mit Themen wie welcher Filmstar eine neue Frisur, einen neuen Freund oder sogar einn neues Tatoo hat, können auf längere Dauer nicht ohne Wirkung auf das menschliche Gehirn bleiben. Der Schluss liegt also nahe, dass dadurch die Mutation, wenn doch nicht ausgelöst, zumindest verstärkt und gefördert wird. Den angesprochenen Inhalt findet man bei genauerem Hinsehen gut versteckt zwischen der Werbung.
Gegenmittel zum Rückgängig machen der Mutation sind bis heute keine bekannt. Es existieren allerdings Ideen und Ansätze, um die Rate der Neumutationen zumindest einzudämmen. Eine erfolgversprechende Variante wäre, die Gratiszeitungen nicht mehr gratis anzubieten, sondern einen kleinen Betrag (Vorschlag 10-20 Rappen) pro Zeitung zu verlangen. Diese Massnahme würde wahrscheinlich zu mehreren positiven Ergebnissen führen. Zum einen würde die Auflagen der Gratiszeitungen massiv einbrechen, weil der Gratisreflex, der bei vielen Leuten das Denk- und Wahrnehmungsvermögen stark beeinträchtigt, nicht mehr ausgelöst würde. Gleichzeitig könnten die Einnahmen aus dem Verkauf der Nicht-mehr-Gratiszeitungen an die Zombie-20-Minuten-Leser, deren Mutation bereits zu weit fortgeschritten ist, dazu verwendet werden, einen Teil der Kosten für die Entsorgung der überall herum liegen gelassenen Zeitungen zu decken. Die Kosten für die Abfallentsorgung muss heute einmal mehr der Steuerzahler tragen.
Leider ist die Masse der Zombie-20-Minuten-Leser heute bereits so gross, dass eine solche Massnahme wegen des grossen Widerstands aus dieser Masse vermutlich nicht wird umgesetzt werden können.
Der Anblick des Zombie-20-Minuten-Lesers wird daher leider vermutlich noch lange zu unserem Alltag gehören.
Kommentare
Ein Kommentar zu “Der Zombie-20-Minuten-Leser”
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Hallo,
vielen Dank für die Informationen, wo ich welchen Zombie antreffen kann.
Ich stimme dir zu, dass die Zeitungen nicht kostenlos vergeben werden sollten, sondern einen geringen Preis verlangen sollten.
P.S: Wenn ich den nächsten Zombie sehe, werde ich an deinen Blog denken.
Lieben Gruß